Warum Grindelwald für den ÖV zu viel bezahlt
ÖV-Kostenverteilschlüssel: Unsere Bushaltestellen zählen beim Rabatt nicht mit
Kurz gesagt: Grindelwald zahlt pro Kopf den dritthöchsten ÖV-Beitrag im Kanton Bern. Grund dafür ist vor allem eine Regel, die unsere vielen Bushaltestellen nicht berücksichtigt. Wir schlagen eine einfache Korrektur vor.
Worum geht es?
Alle Berner Gemeinden zahlen an die Kosten von Bahn und Bus mit. Wie viel eine Gemeinde zahlt, hängt vor allem davon ab, wie viele Busse und Züge bei ihr halten.
Grindelwald zahlt heute rund CHF 930’000 pro Jahr, das sind CHF 227 pro Einwohnerin und Einwohner. Nur Bern und Biel zahlen pro Kopf mehr. Eine durchschnittliche Berner Gemeinde zahlt rund CHF 97.
Wo liegt das Problem?
Der Kanton kennt einen Rabatt für Gemeinden mit vielen Haltestellen und wenig Einwohnern. Das ist genau unsere Situation: Unser Dorf ist über 15 Kilometer verteilt und braucht deshalb viele Bushaltestellen.
Trotzdem erhält Grindelwald diesen Rabatt nicht. Weil wir Bahnhaltestellen haben, zählt der Kanton für den Rabatt nur diese. Unsere rund 40 Bushaltestellen werden nicht berücksichtigt, obwohl wir für sie voll bezahlen. Würden sie mitgezählt, bezahlte Grindelwald bei gleichem Angebot rund CHF 425’000 weniger pro Jahr.
Was schlagen wir vor?
Gemeinden mit Bahn und Bus sollen nach beiden bestehenden Regeln berechnet werden. Es gilt die günstigere.
- Es braucht keine neue Formel, nur eine kleine Anpassung der kantonalen Verordnung.
- Der Kanton gibt dadurch nicht mehr Geld aus.
- Neben Grindelwald würden neun weitere Gemeinden entlastet, zum Beispiel Kandersteg, Aeschi und Innertkirchen.
- Die übrigen Gemeinden zahlen minimal mehr, höchstens CHF 1.52 pro Kopf.
- Grindelwald würde rund CHF 423’000 pro Jahr sparen und läge danach immer noch über dem Durchschnitt.
Warum ist das gerade jetzt wichtig?
Mit dem Fahrplan 2027 wird das Busangebot in Grindelwald ausgebaut. Nach unserer eigenen Schätzung könnte der Gemeindebeitrag ab 2028 auf rund CHF 1,4 Millionen pro Jahr steigen, also um rund die Hälfte. Gerade dieses zusätzliche Busangebot bleibt beim Rabatt weiterhin ausgeblendet.
Auch jeder weitere Ausbau kostet die Gemeinde mehr. Ein Viertelstundentakt der Berner Oberland-Bahn zum Beispiel würde die Bahnabfahrten ungefähr verdoppeln. Nach unserer groben Rechnung wären das rund CHF 186’000 mehr pro Jahr. Mit der vorgeschlagenen Korrektur wären es noch rund CHF 77’000. Ein besseres Angebot ist gut für Einheimische und Gäste. Umso wichtiger ist, dass die Kosten fair verteilt werden.
Wer kann das ändern?
Die Regel steht in der kantonalen Verordnung über die Beiträge der Gemeinden an die Kosten des öffentlichen Verkehrs (KBV). Diese Verordnung erlässt der Regierungsrat des Kantons Bern. Er kann sie selbst ändern; eine Gesetzesänderung im Grossen Rat oder eine Volksabstimmung braucht es nicht. Vorbereitet werden solche Änderungen vom kantonalen Amt für öffentlichen Verkehr (AÖV), und die Gemeinden werden vorher angehört.
Der Kostenverteilschlüssel wird alle zwei Jahre neu berechnet. Damit die Korrektur für die Beiträge 2028 und 2029 gilt, müsste die Verordnung im Laufe des Jahres 2027 angepasst werden.
Wie gehen wir vor?
- Gemeinderat: Wir stellen dem Gemeinderat Grindelwald unsere Unterlagen zu und bitten ihn, sich für die Korrektur einzusetzen. Ein Antrag der Gemeinde hat beim Kanton mehr Gewicht als einer des Vereins.
- Regionalkonferenz Oberland-Ost: Wir sind mit der Regionalkonferenz zum Ausbau 2027 und zu dessen Kosten im Gespräch.
- Amt für öffentlichen Verkehr: Gemeinsam mit der Gemeinde bitten wir das AÖV, unsere Berechnungen amtlich zu prüfen, die kantonsweite Wirkung zu berechnen und den Zeitplan für eine Änderung zu klären.
- Andere Gemeinden: Neun weitere Gemeinden würden ebenfalls entlastet. Wir suchen den Kontakt zu ihnen, damit das Anliegen breit abgestützt beim Regierungsrat ankommt.
- Falls nötig, der politische Weg: Bewegt sich der Kanton nicht, kann ein Mitglied des Grossen Rats den Regierungsrat mit einem Vorstoss auffordern, die Verordnung anzupassen. Dazu suchen wir das Gespräch mit Grossrätinnen und Grossräten aus dem Oberland.
Häufige Fragen
Wollen wir weniger Busse? Nein. Am Angebot ändert sich nichts. Es geht nur darum, wie die Kosten zwischen den Gemeinden verteilt werden.
Haben wir nicht einfach zu viele Haltestellen? Der Kanton prüft jede Haltestelle selbst und hat bei uns bereits 2 gar nicht und 14 nur zur Hälfte angerechnet. Und selbst wenn wir Bushaltestellen abbauen würden: Am Rabatt würde das nach heutiger Regel nichts ändern.
Sind das offizielle Zahlen? Die heutigen Beiträge sind amtliche Zahlen des Kantons. Die Wirkung der Korrektur, die Prognose ab 2028 und die Rechnung zum Viertelstundentakt sind unsere eigenen Modellrechnungen, die der Kanton noch bestätigen muss.
Dokumente
- Faktenblatt ÖV-Kostenverteilschlüssel (2 Seiten, PDF)
- Faktendossier mit allen Berechnungen (PDF)
- Factsheet ÖV-Ausbau 2027 – Kostenfolgen 2028 und 2029 (PDF)
Die Dokumente findest du auch unter Downloads.
Mit besten Grüssen Vorstand Verein zäme fir Grindelwald
