Gästekarte: Je länger du bleibst, desto mehr ist inklusive
Eine Diskussionsgrundlage zur Gästekarte und zur Verwendung der Kurtaxe
Worum es uns geht: Wir möchten eine Diskussion anstossen, wie Grindelwald seine Kurtaxe gezielter einsetzen kann: Leistungen, die Gäste zu längeren Aufenthalten und mehr Buchungen animieren, und Mittel für Ranger und Gästelenkung vor Ort. Unser Papier ist kein fertiger Antrag, sondern eine Grundlage, die wir gemeinsam mit Grindelwald Tourismus, den Leistungsträgern und dem Gemeinderat weiterentwickeln möchten.
Version 2 vom 28. Oktober 2026: ergänzt mit der Detailrechnung, die uns Grindelwald Tourismus zur Verfügung gestellt hat (Budget 2027 mit Rechnung 2025). Vielen Dank dafür.
Die Gästekarte heute
Wer in Grindelwald übernachtet, zahlt CHF 4.20 Kurtaxe pro Nacht (Berghotels CHF 3.20) und erhält die Gästekarte. Sie enthält unter anderem:
- gratis: Ortsbus und Skibus (Linien 121, 122, 123), Langlaufloipe, Bibliothek, UNESCO World Nature Forum
- ermässigt: Sportzentrum 50 %, Männlichen 30 % (Sommer), First und Pfingstegg 15 %, Museum, Gletscherschlucht, Tageskarte Bussalp/Waldspitz
Egal ob ein Gast eine oder zehn Nächte bleibt: Er erhält dasselbe.
Wohin die Kurtaxe heute geht
Grindelwald Tourismus nahm 2025 rund CHF 6,2 Millionen Kurtaxen ein. Die grössten Ausgaben 2025 gemäss Detailrechnung:
- CHF 2,52 Millionen für die Jungfrau Region Tourismus AG: Personal 1,63 Mio., Ortsaufwand 0,43 Mio., Ortsmarketing 0,46 Mio.
- CHF 1,535 Millionen für das Sportzentrum: Betriebsbeiträge 960'000 und Fondseinlage 575'000; ab 2026 sind es CHF 1,86 Millionen
- Ortsbus CHF 326'212 und Skibus CHF 153'302; ab 2026 zusätzlich CHF 200'000 für touristische Buslinien
- Sport und Events CHF 585'701, Anlagen CHF 476'659 (davon Wegleitsystem 193'128 einmalig), Wanderwegfonds 116'000, Fonds Tourismusanlässe 133'000
Was das für die Gästekarte heisst: Ortsbus, Skibus und die Vergünstigungen im Sportzentrum werden über diese Beiträge finanziert. Die übrigen Rabatte, etwa bei den Bergbahnen, tragen die Partner offenbar selbst. Wird ein solcher Rabatt eingeschränkt, wird keine Kurtaxe frei.
Mehr Kurtaxe in Sicht
Auf dem Areal des ehemaligen Grandhotels Regina sind rund 700 bis 720 Betten geplant. Bei 60 % Auslastung kämen so jährlich rund CHF 640'000 bis 660'000 Kurtaxe dazu. Das ist eine grobe Annahme, die von der Eröffnung, der Belegung und den tatsächlich kurtaxenpflichtigen Übernachtungen abhängt. Bevor dieses Geld automatisch in bestehende Ausgaben fliesst, sollte entschieden werden, wofür Grindelwald es wirklich braucht.
Bringen Rabatte Gäste?
Wir haben keine Studie gefunden, die zeigt, dass Rabatte die Wahl des Ferienorts beeinflussen. Gäste wählen ihren Ferienort vor allem wegen Natur, Bergen und Erholung. Das deutlichste Beispiel ist Zermatt: Dort gibt es gar keine Gästekarte, und für die Kurtaxe gibt es keine Vergünstigungen. Der E-Bus im Dorf ist für alle gratis.
Belegt ist dagegen: Ein Gratis-Ortsbus ersetzt Autofahrten. Darum soll der Ortsbus in Grindelwald für alle Gäste bleiben.
Was andere Orte machen
- Keine Leistungen: Zermatt gibt keine Gästekarte ab. Interlaken nimmt ab 2027 den ÖV aus der Gästekarte, weil er nicht mehr finanzierbar ist.
- Gestaffelt nach Aufenthaltsdauer: Mürren (2020, ab 3 Nächten Bahnen inbegriffen), Engadin (ab der 2. Nacht Bergbahnen gratis), Haslital, St. Johann in Tirol und weitere.
- Bergbahnen ab der ersten Nacht: Saas-Fee, mit einer Kurtaxe von CHF 7 pro Nacht plus Beitrag der Partner.
Unser Vorschlag zur Diskussion
- Basis, ab 1 Nacht: Ortsbus, Gästeinformation, Langlaufloipe, Bibliothek, World Nature Forum.
- Plus, ab 3 Nächten: zusätzlich Berglinien Bussalp und Waldspitz gratis, Sportzentrum mit vollem Rabatt, Gletscherschlucht und Museum gratis.
- Premium, ab 5 Nächten: zusätzlich eine Berg- und Talfahrt nach Wahl (First, Männlichen oder Pfingstegg), zu einem mit den Bahnen ausgehandelten Preis.
Die Staffelung soll vor allem längere Aufenthalte fördern; sie ist keine Sparmassnahme. Ihre Kosten sind mit den Partnern auszuhandeln und den tatsächlich möglichen Einsparungen gegenüberzustellen. Die digitale Gästekarte kennt An- und Abreise, die Stufen können automatisch freigeschaltet werden.
Woher Mittel für Gästelenkung kommen könnten
Vor allem aus der zusätzlichen Kurtaxe neuer Betten wie dem Hotel Regina und indem die grossen Beiträge, heute vor allem an Sportzentrum und Busse, regelmässig überprüft und an klare Ziele geknüpft werden. Einsetzen liesse sich das Geld zum Beispiel für:
- Gästelenkung vor Ort, etwa Ranger am Bachalpsee und im Dorf
- Wanderwege, Winterwanderwege und Wegweisung
- zusätzliche Kurse des Ortsbusses
- touristischer Mehraufwand an Hotspots
Wer entscheidet?
Über die Verwendung der Kurtaxe entscheidet Grindelwald Tourismus, unter Aufsicht des Gemeinderats (Art. 2 Abs. 3 Kurtaxenreglement). Für eine neue Gästekarte braucht es keine Änderung des Reglements und keine höhere Kurtaxe. Die Gemeindestrategie 2031 verlangt ausdrücklich eine «Neuausrichtung der Kurtaxe». Ob kurtaxenfinanzierte Leistungen nach Aufenthaltsdauer gestaffelt werden dürfen, sollte vorab kurz rechtlich geklärt werden; wir halten es für gut begründbar.
Wie geht es weiter?
Grindelwald Tourismus hat uns die Detailrechnung zur Verfügung gestellt und ein Gespräch angeboten. Wir führen dieses Gespräch gerne auf der ergänzten Zahlenbasis und klären die offenen Fragen gemeinsam.
👉 Diskussionsgrundlage Gästekarte und Kurtaxe als PDF (Version 2)
Kurze FAQ
Wird die Kurtaxe teurer? Nein. Die Kurtaxe bleibt gleich.
Verlieren Kurzaufenthalter etwas? Den Ortsbus und die Grundleistungen behalten alle. Neu werden längere Aufenthalte belohnt.
Ist das gerecht? Wer fünf Nächte bleibt, zahlt fünfmal so viel Kurtaxe wie ein Gast mit einer Nacht. Dass er mehr erhält, entspricht dem, was er bezahlt.
Kann ich mitreden? Ja, gerne. Schreibt uns an info@zf-grindelwald.ch.
Mit besten Grüssen Vorstand Verein zäme fir Grindelwald
